Spaced Out in Outer Space

Sun 1 Nov 00:00

Wir sind immer froh, wenn sie kommen. Aber wir sind auch immer froh, wenn sie wieder gehen. Die Dinge, die sie hinterließen, Gewölbe und Ornamente, erzählen vom Erlebten. Die einzelnen Scherben buchstabieren Ewigkeit. Gefässe und Behälter sind Bibliotheken und Zeugen zugleich. Die Konturen von ewig Reisenden, die nie ankommen, die man jedoch auch nicht aufhalten sollte. Man muss sich nur entscheiden, wenn einem die verschiedenen Möglichkeiten bewußt werden. Einkehrung ins eigene Dasein. Dieses Ich ist auch nur eine Konstruktion. Die Verwässerung der Identität. Schwimmen. Sei Wasser mein Freund. Durchsichtig sein, um genug Fläche zu bieten, für die Phantasmen und Projektionen der anderen. Transparente Körper. Herz aus Glas. Früher sind Menschen gar nicht alt genug geworden, um Krebs zu bekommen. Operation. Die Vorstellung vom Tod als Krankheit. Die Metaphysische Ordnung der Dinge. Das Verständnis, dass Lebewesen auf der Welt Kompositionen sind, die gut genug zusammenhalten, um den Tag zu überstehen, und dass sie im Zusammenleben und Sterben trotz allem Erdlinge sind. Und diese Art zu behaupten, ein Erdenbürger zu sein, ist eine Art Gegenpol zum Transzendentalismus von Philosophie, Wissenschaft und Politik und zu den verschiedenen Verläufen, die im Wesentlichen mit dem Bekenntnis zur Unsterblichkeit einhergehen. Die Spinne webt die Welt.





In unserem Projekt „Spaced Out in Outer Space“ werden wir uns mit der Geschichte des Gleichgewichts in Kybernetik und Biologie und seinen Einfluss auf unsere zeitgenössische Vorstellung von Natur und Gesellschaft untersuchen. Uns interessiert die Frage, inwiefern Vorstellungen von „reiner“ Natur, Unsterblichkeit und Raumfahrt in der westlichen Wissenschaft und Kunst immer eine Fantasie gewesen sind, um einer fehlerhaften Existenz zu entkommen und sie zu verändern, anstatt ihre Grenzen zu akzeptieren.



Hierfür wird Paul Wiersbinski Geschichten entwerfen und Videos drehen, um das Erzählen selbst als politisches Instrument zu untersuchen und um darüber zu sprechen, wie zukünftige Gemeinschaften aussehen könnten. Basierend auf diesen Narrativen wird Behrang Karimi Zeichnungen und Gemälde produzieren.


Unser Ziel ist es, eine Geschichte zu erzählen, die groß genug und dennoch offen ist, um über aktuelle Weltuntergangsphantasien zu sprechen. So wie Donna Haraway sagt: „Es kommt darauf an, welche Gedanken über Gedanken nachdenken.“



Beide Künstler haben bereits mehrfach zusammengearbeitet, u.a. mit einer früheren Förderung der NRW Kunststiftung für die Ausstellung „Dumb Pigs Smart Pigs“ über die Möglichkeit einer utopische Gesellschaft von Schweinen und zuletzt am Schauspiel Köln im Rahmen der szenischen Tanzinstallation „Flakon“ zusammen mit Mara Tsironi.